Geschichte der historischen Bibliothek

Die 1888 gegründete "Königlich Preußische Historische Station" hatte die Aufgabe, vor allem die deutsche Geschichte der Reformation und der Konfessionalisierung mit den neu zugänglichen Akten des Vatikanischen Archivs zu erforschen. Aufgrund der beschränkten Öffnungszeiten des Archivs und anderer Bibliotheken sowie aufgrund des Bedarfs an deutschen Geschichtswerken begann der behutsame Aufbau einer Institutsbibliothek (bis 1901 ca. 4.000 Bände).

Den Schritt zu einer Fachbibliothek vollzog Paul Fridolin Kehr, der das Institut ab 1903 leitete. Den starken Ausbau der Bestände begleitete auch eine zeitliche und geographische Erweiterung um die Erforschung des Mittelalters und des gesamten italienischen Raumes. Zudem wurde die Bibliothek auch für auswärtige Forscher/-innen geöffnet. Die Organisation und Verwaltung übernahmen erstmals wissenschaftliche Bibliothekare.

Während des Ersten Weltkriegs wurden die Bücher eingelagert. Anschließend zog man größere Teilbestände nach Deutschland ab. Die verbliebenen 22.000 Titel konnten zwar ab 1923 wieder benutzt werden, doch stagnierte der weitere Ausbau der Bibliothek während der Weltwirtschaftskrise.

Im Nationalsozialismus wurde das Institut dem „Reichsinstitut für ältere deutsche Geschichtskunde“ unterstellt und verleibte sich nach dem „Anschluss“ Österreichs circa 1.500-2.000 Bücher des Österreichischen Historischen Instituts ein. Nach der italienischen Waffenstillstandserklärung vom 8. September 1943 wurde das Institut geschlossen. Auf Hitlers Befehl sollten die deutschen Kulturinstitute aus Rom abtransportiert werden. Dies geschah gegen das nach dem Ersten Weltkrieg getroffene Abkommen, das verbot, die Buchbestände aus Italien auszuführen. Über mehrere Stationen wurden die Bücher letztlich in Österreich und Deutschland eingelagert und gelangten erst 1946 wieder nach Rom, wo sie die Vatikanische Bibliothek entgegennahm.

Die Rückgabe der Bibliotheksbestände erfolgte nach diplomatischen Verhandlungen, so dass der Restbestand von weniger als 30.000 Bänden im 1953 wiedereröffneten Deutschen Historischen Institut aufgestellt werden konnte. Neben der teilweisen Rückgabe der in den 20er und 30er nach Deutschland abtransportierten Bücher wurde der Bestand seit den 60er Jahren stark ausgebaut. Die darüber hinaus erworbenen größeren Sammlungen unterstützten unter anderem auch die Ausweitung der Forschung auf das 20. Jahrhundert.

Zur weiteren Lektüre:

Ausführlichere Darstellung (Download PDF)


Goldbrunner, Hermann M.: Von der Casa Tarpea zur Via Aurelia Antica: Zur Geschichte der Bibliothek des Deutschen Historischen Instituts in Rom. In: Das Deutsche Historische Institut in Rom, 1888-1988 (1990), S. 33-86.