Kirchenfinanzen und Politik im Königreich Sizilien im 13. Jahrhundert

Dr. Kristjan Toomaspoeg

Toomaspoeg, Kristjan: Decimae. Il sostegno economico dei sovrani alla Chiesa del Mezzogiorno nel XIII secolo. Dai lasciti di Eduard Sthamer e Norbert Kamp (606 S.) Ricerche dell'Istituto Storico Germanico di Roma 4. Roma 2009. Inhalt/Bestellen

 

Nach der Eroberung Süditaliens durch die Normannen im elften Jahrhundert schenkten die normannischen Herzöge und Grafen und danach die Könige Siziliens im Rahmen der Wiedereinsetzung und Neuordnung der lokalen Kirche den lateinischen und griechischen Bischöfen und Klöstern Grundbesitz und Fiskalrechte, die größtenteils auch in der Zeit der Staufer und Anjou weiterbestanden. In diesem Kontext erhielten mehrere Bistümer, Klöster und königliche Hofkapellen das Recht, in einigen Örtlichkeiten und Gebieten zehn Prozent der königlichen und baronalen Fiskaleinkünfte, den sogenannten Staatszehnt, einzuziehen.

Im Archiv des Deutschen Historischen Instituts in Rom liegen die Nachlässe der beiden bedeutenden Mediävisten Eduard Sthamer (1883-1938) und Norbert Kamp (1927-1999), die in jahrzehntelanger Arbeit in Italien Quellen zur Geschichte des Königreichs Sizilien gesammelt und ausgewertet haben. Das von Sthamer und Kamp zusammengetragene Material beleuchtet insbesondere die Geschichte des Staatszehntrechtes der süditalienischen Kirche und umfaßt umfangreiche Quellen sowohl zum komplexen Verhältnis zwischen Staat und Kirche im Königreich Sizilien als auch zur wirtschaftlichen Basis der Bistümer und Klöster Süditaliens von der Normannenzeit bis zu den ersten Königen aus der Anjou-Dynastie. Eduard Sthamer arbeitete seit ungefähr 1930 an zwei Forschungsprojekten zur Geschichte der Zentralverwaltung des Königreichs Siziliens und zum Zehntrecht der süditalienischen Kirche gegenüber dem Fiskus. Mit seinem Tod im Jahr 1938 blieb das Projekt jedoch auf dem Stand eines Quellen- und bibliographischen Verzeichnisses. Während des letzten Viertels des 20. Jahrhunderts wurden die Forschungen Sthamers von Norbert Kamp im Rahmen einer Studie zur Geschichte des Verhältnisses zwischen Staat und Kirche im Königreich Sizilien zur Zeit Friedrichs II. weitergeführt. Kamp konnte vor seinem Tod jedoch nur den ersten Teil seiner Monographie, einen prosopographischen Bischofskatalog, veröffentlichen. Der zweite Teil des Werkes, die Analyse der Problematik, und der dritte Teil, die Quellenedition, blieben in der Vorbereitungsphase.

Ziel dieses am DHI Rom angesiedelten Forschungsprojektes war es, auf der Grundlage des von den beiden Mediävisten gesammelten Materials die Privilegien der süditalienischen Bistümer im Licht der Verhältnisse zwischen Staat und Kirche im 13. Jahrhundert zu analysieren sowie die Wirtschaftsgeschichte der Diözesen zu rekonstruieren. Dabei sollten auch Aspekte der Besitzgeschichte der Kirchen und der Diözesantopographie erforscht werden. Die in den Nachlässen vorhandenen Urkundenabschriften wurden in einem ersten Schritt zunächst gesichtet und gemeinsam mit einer quellenkritischen Zusammenfassung in einem Register mit insgesamt 1.937 Urkunden zusammengefaßt. In einem zweiten Schritt erarbeitete Dr. Toomaspoeg auf der Grundlage dieser Quellen eine Monographie zum beschriebenden Themenkomplex.

Das Forschungsprojekt wurde von der Gerda Henkel Stiftung gefördert.