Alte Herrscher des Mittelalters: Könige, Dogen und Päpste. Ein Beitrag zu einer gerontologischen Mediävistik

Dr. Christian Alexander Neumann

Alter(n) ist ein universelles und facettenreiches Phänomen: es ist sowohl ein graduell ablaufender biologischer Prozess als auch ein kulturell konstruierter und damit variabler Forschungsgegenstand. Eine grundlegende Frage des Projektes ist diejenige nach der Relevanz des Faktors „Alter“ für die Dispositionen menschlichen Handelns. Insbesondere gilt dies für die Träger politischer Macht, was auch für andere Epochen der Geschichte bedeutsam ist. Das übergreifende Ziel besteht darin, die Altersphase mittelalterlicher Herrscher komparatistisch aus interdisziplinär mediävistisch-gerontologischer Perspektive zu analysieren. Das Alter(n) von Herrschern ist bislang weder theoretisch fundiert noch auf breiter empirischer Basis systematisch untersucht worden. Deshalb erscheint es vielversprechend, den Begriff der „Gerontokratie“ auf die mittelalterliche Geschichte zu übertragen und theoretisch zu reflektieren. Die drei bisher weitgehend getrennten Traditionen der mediävistischen Altersforschung, mediävistischen Königtumsforschung und modernen Gerontologie sollen zusammengeführt werden. Damit wird der Blick auf das mittelalterliche Königtum innovativ perspektiviert und gleichzeitig wird gerontologische Theoriebildung an historischen Beispielen überprüft. Als Fallstudien sind die Könige von England, die venezianischen Dogen und die Päpste vorgesehen. In diesem Kontext werden noch weitere Eingrenzungen aus der Fülle der Beispiele erfolgen. Drei Perspektiven werden nacheinander verfolgt: eine diskursive, eine diskursiv-praxeologische und eine praxeologische. Inwieweit textbasierte Repräsentationen alter Herrscher von diskursiven Norm- und Idealvorstellungen geprägt sind und sich das herrscherliche Agieren durch das Alter(n) veränderte, sind grundlegende Problemstellungen.

Dr. Christian Alexander Neumann
Wissenschaftlicher Mitarbeiter Mittelalter
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