Das Heilig-Geist-Hospital in Rom als Zentrum eines Hospitalsordens mit europäischer Bedeutung

Dr. Andreas Rehberg

Das heute noch florierende Hospital S. Spirito in Sassia geht auf eine Gründung Innocenz' III. um 1200 zurück, der seine Leitung Gui de Montpellier anvertraute, der bereits in seiner Heimat eine eigene Hospitalsgemeinschaft aufgebaut hatte. Gestützt auf die – für stadtrömische Verhältnisse – recht gute Überlieferung vor allem im römischen Staatsarchiv werden im Rahmen dieses Projektes einige von der Forschung vernachlässigte Themen bearbeitet und in Aufsatzform in loser Folge publiziert. Das Hospital S. Spirito in Sassia verkörpert den Typus einer päpstlichen Gründung, fordert aber den Vergleich mit den anderen Hospizarten in Rom – von den städtischen Hospitälern bis hin zu den Strukturen der Fremden (zum Beispiel das Hospiz der Anima) – sowie zu den anderen karitativen Orden heraus, die insbesondere in St-Antoine-en-Viennois in Frankreich, S. Maria von Roncisvalles in Navarra oder S. Giacomo di Altopascio nahe Lucca ihre Zentren hatten. Die "internationale" Vernetzung des Heilig-Geist-Ordens mit Niederlassungen von Sizilien bis nach England und von Spanien bis nach Ungarn brachte es mit sich, daß man immer wieder "Ausländer" im römischen Mutterhaus S. Spirito in Sassia nachweisen kann. Insgesamt reichten erstaunlich wenige Ordensmitglieder aus, um die oft sehr weitgestrickten Netze der Ordensfilialen zusammenzuhalten. Zentrifugale Kräfte bedrohten allerdings allenthalben die Macht des Ordenspräzeptors, dessen Position immerhin im eigenen Hinterland – wie die Mikrostudie zum Hospiz des Ordens in Tarquinia, dem mittelalterlichen Corneto, ca. 70 km. nördlich von Rom gelegen, belegt – unangefochten war. Die am DHI betriebenen Studien zu S. Spirito in Sassia wollen zur vergleichenden Ordensforschung beitragen und spüren den vielfältigen Aspekten der – keineswegs immer unilateralen – Transferleistungen an Personal und (Fach-)Wissen innerhalb des Ordens auch über die damaligen Kultur- und Sprachgrenzen hinweg nach.

Darüber hinaus konnte 2006 erstmals ein Ausblick auf die allgemeine Attraktivität Roms und der Klöster seines Umlandes (Subiaco, Farfa) für den europäischen Ordensklerus im Spätmittelalter gegeben werden – ein Thema, das in den kommenden Jahren zu einem neuen Forschungsschwerpunkt ausgebaut werden soll.

Dr. Andreas Rehberg
Referent für Spätmittelalter, Koordination Repertorium Germanicum, Betreuung Archiv
Vita
Schriftenverzeichnis
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rehberg[at]dhi-roma.it

Publikationen

A. Rehberg, L'Ospedale di Santo Spirito nell'età avignonese: fra la protezione della Curia e le vicende politiche a Roma, in: L'Antico Ospedale di Santo Spirito. Dall'istituzione papale alla sanità del terzo millennio, Il Veltro 45/5-6 (2001) S. 95-104.

A. Rehberg, I papi, l'ospedale e l'ordine di S. Spirito nell'età avignonese, Archivio della Società Romana di Storia Patria 124 (2001) S. 35-140.

A. Rehberg, Nuntii - questuarii - falsarii. L'ospedale di S. Spirito in Sassia e la raccolta delle elemosine nel periodo avignonese, Mélanges de l'École française de Rome. Moyen Âge 115 (2003-1) S. 41-132.

A. Rehberg, Die fratres von jenseits der Alpen im römischen Hospital S. Spirito in Sassia. Mit einem Ausblick auf die Attraktivität Roms für den europäischen Ordensklerus im Spätmittelalter, in: U. Israel (Hg.), Vita communis und ethnische Vielfalt. Multinational zusammengesetzte Klöster im Mittelalter, Akten des Internationalen Studientags vom 26. Januar 2005 im Deutschen Historischen Institut in Rom, Vita regularis. Abhandlungen 29, Berlin 2006, S. 97-155.

A. Rehberg, Päpstliche caritas auf dem Prüfstand. Anmerkungen zu einer neuen Studie zum Heilig-Geist-Orden, QFIAB 86 (2006) S. 562- 581.

A. Rehberg, Die Römer und ihre Hospitäler. Beobachtungen zu den Trägergruppen der Spitalsgründungen in Rom (13.-15. Jahrhundert), in: G. Drossbach (Hg.), Hospitäler in Mittelalter und Früher Neuzeit. Frankreich, Deutschland und Italien. Eine vergleichende Geschichte/Hôpitaux au Moyen Âge et aux Temps modernes. France, Allemagne et Italie. Une histoire comparée. Mit einem Vorwort von Werner Paravicini (Pariser Historische Studien 75), München 2007, S. 225-260.

A. Rehberg, (mit A. Esposito), Premessa, in: A. Esposito / A.Rehberg (a cura di), Gli ordini ospedalieri tra centro e periferia. Giornata di studio, Roma, Istituto Storico Germanico, 16 giugno 2005, Ricerche dell'Istituto Storico Germanico di Roma 3, Roma 2007, S. 7-11.

A. Rehberg, Una categoria di ordini religiosi poco studiata: gli ordini ospedalieri. Prime osservazioni e piste di ricerca sul tema "Centro e periferia", in: A. Esposito / A. Rehberg (a cura di), Gli ordini ospedalieri tra centro e periferia. Giornata di studio, Roma, Istituto Storico Germanico, 16 giugno 2005, Ricerche dell'Istituto Storico Germanico di Roma 3, Roma 2007, S. 15-70.

A. Rehberg, L'ospedale di S. Spirito a Tarquinia, membrum hospitalis sancti Spiritus in Saxia de Urbe immediate subiectum (secoli XIII-XV), in: Corneto medievale: territorio, società, economia e istituzioni religiose, Atti del convegno di studio, Tarquinia 24-25 novembre 2007, a cura di A. Cortonesi, A. Esposito, L. Pani Ermini e con la collaborazione di L. Gufi, Tarquinia 2009, S. 245-298.