Übersetzung und Geschichte im deutsch-italienischen Sprachraum im 19. und 20. Jahrhundert

Dr. Gerhard Kuck

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts nahm die Zahl der Übersetzungen von Belletristik und einer im weitesten Sinne verstandenen Sachliteratur in erheblichem Umfang zu und ging auch in der Zeit des Faschismus und Nationalsozialismus nicht zurück. Das Forschungsvorhaben will sich im wesentlichen auf diesen Zeitraum und darin in erster Linie auf die Sachliteratur konzentrieren, deren Übersetzung im Gegensatz zu literarischen Werken bisher unterbeleuchtet geblieben ist. Zwischen den beiden Regimen kam es im innenpolitischen, wirtschaftspolitischen, kolonialpolitischen Bereich zu einer verstärkten Zusammenarbeit, die der gegenseitigen Information und eventuellen Übernahme von Modellen diente; gefördert wurde darüber hinaus die Vermittlung der allgemeinen politischen und ideologischen Grundlagen und die Verbreitung wissenschaftlicher Literatur, die zumindest für Italien von Zensur und Kontrolle ausgenommen war. Das Ziel besteht einerseits darin, die Strategien herauszuarbeiten, die Verlagshäuser, Kulturinstitute und staatliche Einrichtungen verfolgt haben. Andererseits soll geprüft werden, ob sich diese Übersetzungspraxis kulturellen Transferprozessen zuordnen lässt, in deren Verlauf sich Bedeutungen, Konzepte und Vorstellungen gewandelt, miteinander verschmolzen und gegenseitig beeinflusst haben.