Die römischen Kongregationen und die gemischten Ehen in Europa (1563-1798)

Dr. Cecilia Cristellon

Untersuchungsgegenstand des Projekts ist die Politik der römischen Kirche gegenüber den Ehen zwischen Angehörigen unterschiedlicher Bekenntnisse in Europa. Bisher wurden die Mischehen einzig auf der Grundlage lokaler Quellen untersucht. Die vorliegende Forschungsarbeit zieht hingegen die Bestände jener römischen Kongregationen heran, die für die Erteilung des Dispenses mixtae religionis (Inquisition) zuständig waren, sich mit Fragen zur Legitimität der Schließung von Mischehen befaßten (Konzilienkongregation) bzw. über Zweifel der Missionare entschieden, die sich täglich mit den Mischehen auseinandersetzen mußten (Propaganda Fide). Diese in den vatikanischen Archiven aufbewahrten Quellenbestände sind bisher so gut wie gar nicht untersucht worden. Es geht darum, die unterschiedliche Haltung der Römischen Kirche gegenüber der Bevölkerung in jenen Ländern herauszuarbeiten, die einen vorrangig einheitlich katholischen Charakter besaßen, gemischtkonfessionell waren bzw. dem evangelisch-lutherischen, kalvinistischen oder anglikanischen Bekenntnis folgten. Bei der Analyse soll auch der Einfluß berücksichtigt werden, den die unterschiedlichen lokalen Rechte (z.B. in Fragen der Kindererziehung) und die örtlichen Heiratspraktiken (z.B. die Möglichkeit der faktischen Ehe oder der Zivilehe) auf diese Politik ausübten. Ein besonderes Augenmerk richtet sich dabei auf die Rolle, welche die Mischehen im Säkularisierungsprozeß spielten, und auf die Einwirkungen der lokalen politischen (auch protestantischen) Mächte auf die Politik der Kirche. Die Quellenanalyse erfolgt darüber hinaus auch unter dem Blickwinkel der Geschlechtergeschichte: In welchem Maße herrschte in den einschlägigen Entscheidungen der römischen Prälaten die seit dem Spätmittelalter spürbare Tendenz vor, der Frau die Rolle einer “Missionarin” gegenüber dem Ehemann zuzuschreiben (d.h. die Kraft und die Fähigkeit, ihn zu bekehren), und bis zu welchem Grad bestand hingegen die rechtliche Konstruktion der fragilitas sexus fort, wonach die – schwache und schutzbedürftige – Frau weit mehr der Gefahr ausgesetzt war, vom heterodoxen oder “ungläubigen” Partner bekehrt zu werden? Das Projekt strebt schließlich die Erstellung einer Datenbank an, mit der die Gesuche um Dispens für eine Mischehe erfaßt werden sollen, die zwischen 1630 (mit diesem Jahr setzt die Serie matrimonia mixta ein) und 1798 an das Heilige Offizium gerichtet wurden.