Der Futurismus und die Avantgarden im Europa der Zwanziger und Dreißiger Jahre. Italien, Frankreich und Deutschland

Dr. Monica Cioli

Das Forschungsvorhaben rekonstruiert die transnationalen Netzwerke zwischen dem italienischen Futurismus und anderen Avantgarden in Italien, Frankreich und Deutschland in der Zwischenkriegszeit. Dabei stehen nicht primär kunsthistorische Perspektiven oder die Frage nach dem Einfluss der Politik auf die Kunst im Vordergrund. Das Projekt geht vielmehr von der Annahme aus, dass die Kunst selbst ein Feld der politischen Kommunikation darstellt und die Avantgarden vom politischen Zeitgeist nicht nur geprägt werden, sondern ihm auch ihren Stempel aufdrücken. Zunächst werden die facettenreichen Verflechtungen des Futurismus mit den anderen europäischen Avantgarden in ihrem transnationalen Diskurs über Taylorismus und Technik, Masse und Elite rekonstruiert. Engstens damit verknüpft sind zweitens die Diskurse der Avantgarden über den ‚Neuen Menschen’, die in ihrer politischen Valenz entschlüsselt werden sollen. Sie sind, zumindest im Fall des Futurismus, zunächst technokratisch geprägt und heben sich damit deutlich von biologisch-rassischen Konzepten der Dreißiger Jahre ab. Drittens soll danach gefragt werden, wie sich diese Positionen in den Dreißiger Jahren angesichts der Entfaltung der totalitären Regime entwickelt haben. Hier wird vor allem die wachsende Spannung zwischen der nationalen Instrumentalisierung der Avantgarden und ihrer Suche nach einer transnationalen Kultur der Moderne in den Blick genommen. Vom 7. bis 9. Oktober 2015 organisierte Monica Cioli am DHI Rom in Zusammenarbeit mit der Bibliotheca Hertziana und gefördert von der Gerda Henkel Stiftung die internationale interdisziplinäre Tagung "Traces of modernism between Art and Politics: From the First World War to Totalitarism" (vgl. Tagungsbericht).