Das Deutsche Historische Institut in Rom (DHI) ist das älteste historische Auslandsinstitut der Bundesrepublik Deutschland. Es widmet sich historischer und musikgeschichtlicher Forschung vom Frühmittelalter bis in die jüngste Vergangenheit mit Schwerpunkten auf Italien, Südeuropa und dem Mittelmeerraum. Seit 2002 gehört es zur Max Weber Stiftung – Deutsche Geisteswissenschaftliche Institute im Ausland (MWS). Als Mitglied der MWS, der Unione internazionale degli istituti di archeologia, storia e storia dell'arte in Roma, der internationalen Vereinigung der archäologischen, historischen und kunsthistorischen Institute in Rom, und eingebunden in ein dichtes Netz vielfältiger Kooperationen versteht sich das DHI als wichtiger Akteur der Internationalisierung geisteswissenschaftlicher Forschung. Unterstützt wird es in seiner Arbeit durch einen neunköpfigen wissenschaftlichen Beirat mit Mitgliedern aus Universitäten in Deutschland, Italien und der Schweiz.

Zu den zentralen Aufgaben des DHI gehören:

- die Erforschung der italienischen Geschichte in ihren transregionalen bzw. transnationalen Verflechtungen und internationalen Bezügen
- die Förderung deutscher und internationaler Nachwuchswissenschaftler/-innen
- die Vermittlung zwischen unterschiedlichen akademischen Kulturen, insbesondere zwischen Deutschland und Italien, sowie die Beförderung des internationalen wissenschaftlichen Austauschs
- wissenschaftliche Publikationstätigkeit mittels einer eigenen Zeitschrift und mehrerer Schriftenreihen
- wissenschaftliche Serviceleistungen wie die Beratung und Unterstützung von Forscher/-innen und Institutionen im In- und Ausland sowie die Bereitstellung einer großen Fachbibliothek.

Forschung

Seit seinen Anfängen sind die Forschungen des Instituts bestimmt durch den Reichtum und den weiten zeitlichen und überregionalen Horizont der Überlieferungen in den Archiven und Bibliotheken des Vatikans und Italiens. Das DHI ist einem epochenübergreifenden, interdisziplinären Forschungsverständnis verpflichtet. Sein Schwerpunkt in der historischen und musikhistorischen Italienforschung wird, in der Auseinandersetzung mit aktuellen Theorie- und Methodendebatten und gegenwärtigen wissenschaftspolitischen Herausforderungen, verstärkt in komparativen, beziehungsgeschichtlichen und transregionalen Perspektiven weiterentwickelt. Dabei wird Italien in europäische und globalgeschichtliche Relationen gestellt und zum Tragen kommen Fragestellungen, deren übergreifende Raumbezüge sich vor allem auf Südeuropa und den Mittelmeerraum richten. Das DHI engagiert sich mit eigenen Entwicklungen in den Digital Humanities, die insbesondere im Bereich der Grundlagenforschung, in der Erstellung von Datenbanken und Editionen, zur Anwendung kommen und dort neue Forschungsperspektiven eröffnen.
Unsere Forschungsprojekte

Nachwuchsförderung

Als eine zentrale Verpflichtung sieht das DHI die Förderung junger Wissenschaftler/-innen, von Studierenden über Promovierende bis zu Postdocs vornehmlich im deutsch-italienischen Kontext. Für diese Aufgabe bietet das Institut ein breit gefächertes Spektrum von Formaten: Dazu gehören Praktika und Studienkurse, Sommer- und Winterschulen, Stipendien für Forschungsaufenthalte in Italien, mehrjährige Qualifikationsstellen sowie das einjährige Ludwig Quidde-Stipendium für herausragende Nachwuchswissenschaftler/-innen auf dem Weg zur Professur.
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Internationalisierung

Das 1888 gegründete DHI versteht sich heute als Brücke zwischen der deutschen und italienischen Wissenschaftslandschaft sowie als Forum des internationalen akademischen Austauschs. Bereits im 19. Jahrhundert hatte sich Rom als Wissenschaftsstandort zu einem herausragenden Experimentierfeld der Internationalisierung geisteswissenschaftlicher, insbesondere historisch orientierter Forschung entwickelt. Noch vor dem Ersten Weltkrieg wurden neben anderen internationalen und italienischen Forschungsinstituten in der "Ewigen Stadt" vier deutsche, bis heute bestehende Forschungseinrichtungen gegründet, d.h. über das DHI hinaus auch das Deutsche Archäologische Institut, die Bibliotheca Hertziana sowie das römische Institut der Görres-Gesellschaft; sie alle fanden sich nach dem Zweiten Weltkrieg in der Unione internazionale degli istituti di archeologia, storia e storia dell'arte in Roma zusammen. Im Verbund mit den Instituten der MWS und der Unione sowie mit zahlreichen weiteren Kooperationspartnern betreibt und vermittelt das DHI mit Projekten, Publikationen, Tagungen, Workshops, Vorträgen und Ausstellungen Forschung über nationale, sprachliche, Epochen- und Disziplinengrenzen hinweg. Dafür bietet der Standort Rom mit einer außerordentlichen Fülle historischer Überlieferungen und Ressourcen und einer einmaligen Dichte internationaler Forschungseinrichtungen exzellente Bedingungen.

Publikationen

Zur Vermittlung von Forschungen gibt das DHI in international renommierten Fachverlagen eine wissenschaftliche Zeitschrift, je eine musikhistorische Schriften- und Editionsreihe sowie mehrere historische Reihen in deutscher und italienischer Sprache heraus. Das Institut sieht sich einer konsequenten Open Access-Politik verpflichtet. Ein Großteil der Druckveröffentlichungen wird entweder parallel oder nach festgelegten moving walls online gestellt. Erheblich gewachsen ist, im Einklang mit dem Engagement des Instituts in den Digital Humanities, der Bereich der Online-Publikationen, vornehmlich in Form von Editionen und Datenbanken.
Unsere Publikationen

Wissenschaftlicher Service

Die Wissenschaftler/-innen des Instituts beraten und unterstützen Forscher/-innen bei Projekten, Recherchen und der Nutzung italienischer Archive und Bibliotheken sowie insbesondere Wissenschaftler/-innen aus dem Gastland bei Forschungsaufenthalten in Deutschland, Kooperationen und Projektanträgen. Ihre Expertise wird in Medien und Politik nachgefragt.
Als zentrale Serviceeinrichtung fungiert die Bibliothek mit ca. 245.000 Medieneinheiten und ca. 850 laufenden Zeitschriften. Sie umfasst wichtige musikhistorische und historische Bestände mit Sammelschwerpunkten, die Forscher/-innen aus dem In- und Ausland anziehen.