Der Erfolg der Casa di San Giorgio und die Anfänge der Aktiengesellschaften

Dr. Carlo Taviani (Kooperationsprojekt mit Villa I Tatti, University of Harvard)

Aktiengesellschaften gehören zu den wichtigsten Finanzeinrichtungen des modernen Kapitalismus. Ihre Strukturen haben sich im Verlauf der frühen Neuzeit herausgebildet, als sie große Kapitalmengen zusammenführten, um überseeische Reisen in Angriff nehmen zu können. Einige dieser Einrichtungen erwarben auch Herrschaftsgewalt über Territorien und deren jeweilige Bevölkerung. Die Verenigde Oostindische Compagnie (1602), die British East India Company und die Hudson's Bay Company, einige der bedeutendsten zeitgenössischen Einrichtungen, verfügten über Besitzungen in Afrika, Asien und Amerika. Im späten 19. Jahrhundert definierten einige deutsche Rechtsgelehrte die Merkmale der Aktiengesellschaften (Aktienmarkt, beschränkte Haftung usw.). Mit Blick auf die Geschichte des Mittelmeers im Mittelalter und in der Renaissance gelangten sie zu dem Schluss, dass einige Einrichtungen aus diesen Perioden den Gesellschaften späterer Jahrhunderte ähnelten. Insbesondere bezogen sie sich dabei auf die Casa di San Giorgio in Genua (1407–1805). Das Projekt kehrt diese Perspektive, die mehr oder weniger bis heute vorherrscht, um. So geht es weniger darum zu bestimmen, ob die Einrichtungen aus dem Mittelalter und der Renaissance bereits die Züge der späteren Aktiengesellschaften aufwiesen. Vielmehr soll herausgearbeitet werden, in welchem Umfang die älteren Modelle zirkulierten und ob die Begründer der Aktiengesellschaften der frühen Neuzeit letztlich auf sie zurückgriffen.In erster Linie soll in Grundzügen eine Genealogie der Aktiengesellschaft erarbeitet werden. In zweiter Linie wird die Zirkulation dieser Modelle in ihrer Entwicklungsdynamik untersucht, d. h. in welcher Weise die Elemente dieser Einrichtungen zirkulierten und dabei neue Formen annahmen. In methodologischer Hinsicht greift das Projekt auf die Ergebnisse der New Institutional Economics zurück und verknüpft sie mit Werkzeugen geisteswissenschaftlicher Disziplinen (Geschichte, Kunstgeschichte, Literaturwissenschaften und Philologie).

Dr. Carlo Taviani
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