Die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen. Chronotopos und Chronopolitik

Dr. Fernando Esposito

Die Zeit ist nicht nur die wichtigste Kategorie der Geschichte, sie selbst hat auch eine Geschichte. Das Habilitationsprojekt zielt darauf, Zeitengeschichte zu erzählen und einen Beitrag zur Theorie historischer Zeiten zu leisten. Es beleuchtet die geschichtstheoretische Formel der "Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen" und fragt nach ihrem Wandel, ihrer Struktur und Funktion. Zeitlich spannt die Untersuchung einen weiten Bogen von der jüngsten Gegenwart bis zur Spätaufklärung und erzählt vier Geschichten der Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen. Nach einer begriffsgeschichtlichen Ouvertüre, die von Walter Benjamin und Ernst Bloch im Neapel der 1920er Jahre handelt, wendet sich das Buch im ersten Teil Reinhart Koselleck zu. Es wird gezeigt, wie im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts die "Grunderfahrung der Geschichte" zum historischen Gegenstand mutierte, und wie sich dem Ungleichzeitigkeitsdenken ein Gleichzeitigkeitsdenken zur Seite gesellte. Der zweite Teil des Buches kreist um den Geologen Sir William Hamilton, der ab 1764 den Vesuv erkundete, wie um die Metaphern der Zeitschaft und der Zeitschicht. Es werden ein synchrones, vielzeitiges Konzept von Geschichte erprobt und die stratigraphischen Grundlagen des historistischen Geschichtsdenkens freigelegt. Der abschließende dritte Teil widmet sich den italienischen Meridionalisten. Es zeigt, wie diese Gruppe reformerisch orientierter Politiker, Ökonomen, Agronomen, Historiker und Soziologen im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts den rückständigen Mezzogiorno hervorbrachten, und das heißt den Süden als chronopolitische Aufgabe entwarfen.

Dr. Fernando Esposito
Ludwig und Margarethe Quidde Fellow
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