Die Präsenz deutscher militärischer Verbände in Italien 1943-1945.

Im Auftrag des Deutschen Historischen Instituts in Rom bearbeitet von Carlo Gentile, Rom 2004

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Seit Jahren wird eine intensive Debatte um den Vernichtungskrieg geführt, den das Deutsche Reich zwischen 1939 und 1945 geführt hat. Publikumswirksame Ausstellungen zum Verhalten der Wehrmacht an der Ostfront oder auf dem Balkan haben das Interesse daran noch ansteigen lassen. Für Italien, das vom 8. September 1943 bis zum 2. Mai 1945 von der Wehrmacht besetzt war, sind in den letzten Jahren zahlreiche Studien zu deutschen Kriegsverbrechen erschienen, die an der italienischen Zivilbevölkerung verübt wurden. Eine ganze Reihe von Kriegsverbrecherprozessen hat das Interesse der Öffentlichkeit am deutschen Krieg in Italien wachgehalten.

Eine umfassende Darstellung zum Krieg der Wehrmacht und der Waffen-SS in Italien fehlt bislang. Es sind weder die genaue Zahl und Verteilung der deutschen Einheiten bekannt noch die Umstände von Tötungen und Verwundungen im Rahmen von Kampfhandlungen an der Front oder im Partisanenkrieg. Memoiren und Berichte in offiziellen Kriegstagebüchern haben sich bei Detailrecherchen nicht selten als fehlerbehaftet erwiesen. Ob z. B. die nach 1945 immer wieder gehörten Aussagen zutreffend sind, daß Tausende von deutschen Soldaten durch Angriffe italienischer Partisanen umgekommen seien, ist bislang nicht feststellbar gewesen. Es fehlte aber auch an den Grundlagen, um solche Äußerungen zu überprüfen.

Die vorliegende Datenbank versteht sich als Forschungs- und Arbeitsinstrument sowohl für die Fachhistoriker als auch für institutionelle oder private Forschungen im kommunalen Bereich. Die Zusammenstellung der Daten hat Carlo Gentile (Köln) zwischen 2000 und 2004 im Auftrag des Deutschen Historischen Instituts vorgenommen. Die Datenbank umfaßt über 16.000 Einträge; sie beruhen auf Informationen, die zeitgenössischen Quellen entnommen und weiterverarbeitet wurden. In erster Linie handelt es sich bei diesen Quellen um Material der "Deutschen Dienststelle" (früher Wehrmachtauskunftstelle) in Berlin, aus deren Archiven über 10.000 Informationen zu italienischen Orten entnommen werden konnten. Die Bestände dieser Dienststelle werden von Wissenschaftlern eher selten genutzt, sie sind aber von grundlegender Bedeutung, wenn man die deutsche Präsenz und vor allem die Kampftätigkeit in bestimmten Regionen im Detail rekonstruieren will. Einen zweiten großen Dokumentationsblock stellen die über 5.000 Einträge dar, die aus Akten im Bundesarchiv-Militärarchiv in Freiburg herausgezogen werden konnten.

Die Datenbank registriert solche italienischen Orte (Städte, Gemeinden, Dörfer, Weiler, Gehöfte, Straßenkreuzungen), an denen sich nachgewiesenermaßen deutsche Truppen oder Truppenteile zwischen 1943 und 1945 aufhielten. Mit Hilfe der Datenbank lassen sich Itinerare der Besatzungstruppen erstellen oder auch Daten für bestimmte Provinzen oder Regionen abrufen.