Der Wandel der weiblichen Sexualität in der Bundesrepublik Deutschland und in Italien während der 60er, 70er und 80er Jahre des 20. Jahrhunderts

Dr. Fiammetta Balestracci

Bei dem Projekt geht es um die Veränderungen, denen die weibliche Sexualität während der im Titel genannten Jahrzehnte in den beiden europäischen Ländern im Spiegel der öffentlichen Darstellung, der sozialen Praxis und des Wertesystems unterworfen war. Dabei soll geprüft werden, ob die Vorstellungen und Erfahrungen damals in einem solchen Maße beeinflusst wurden, dass es auf ethischer Ebene zu einem dauerhaften Kontinuitätsbruch kam. Die These von einer normativen Liberalisierung in den langen 70er Jahren wird nicht nur durch die Studien zur Geschichte der Sexualität und der Familie nahegelegt. In dieselbe Richtung weist die Theorie vom Wertewandel, wonach sich im industrialisierten Westen seit Mitte der 60er Jahre ein wachsender Postmaterialismus und ethischer Individualismus auszubreiten begann. Die Untersuchung der Wandlungsprozesse berücksichtigt sowohl die nationalen kulturellen Unterschiede als auch die unterschiedlichen Erfahrungen, die verschiedene Gruppen und Generationen gemacht haben. Im Rahmen des Projekts soll außerdem bilateralen Transfervorgängen und gegenseitigen Einflüssen zwischen den beiden Ländern nachgegangen werden. Das Projekt berührt Deutungsdimensionen wie den Diskurs, die soziale Praxis und das normative System sowie Analysefelder wie Statistik, Medizin, Psychiatrie, Philosophie, Sexualwissenschaft, Politik- und Sozialgeschichte, Kultur- und Geistesgeschichte, Frauen- und Geschlechtergeschichte. Es wird von der Europäischen Kommission im Rahmen des Programms Marie Sklodowska Curie Actions finanziert und an der Queen Mary University of London in Kooperation mit dem Deutschen Historischen Institut in Rom durchgeführt.

 

Dr. Fiammetta Balestracci
Visiting Scholar
Vita
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