Onofrio Panvinio (1530–1568) und seine Kirchengeschichte. Ein römischer Gelehrter zwischen Reich und Kirche, Humanismus und Gegenreformation

Dr. Stefan Bauer

So überraschend es klingen mag: Die Sicht der Kirche auf ihre Geschichte und deren Übergang zur Moderne in der Frühen Neuzeit ist ein Thema, das bis heute praktisch unerforscht geblieben ist. Dies scheint damals wie heute einer offensichtlichen Bevorzugung der visuellen Medien wie Malerei und Architektur geschuldet zu sein. Um das Thema zu untersuchen, konzentriere ich mich auf einen ungewöhnlich faszinierenden Gelehrten des sechzehnten Jahrhunderts, Onofrio Panvinio (1530–1568). In seinem kurzen Leben – er starb mit 38 Jahren – verfasste Panvinio rund siebzig veröffentlichte und unveröffentlichte Werke, von denen viele bis heute auf eine Untersuchung warten. Indem ich analysiere, wie seine historischen Werke geschrieben, zirkuliert und bekannt gemacht wurden, beabsichtige ich zu zeigen, dass Panvinio eine Schlüsselrolle in den vielfachen Übergängen im Feld der historischen Wissenschaften im sechzehnten Jahrhundert gespielt hat.